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Wochenendlager Wohngruppe 2 vom 26. - 28.10.2018

08/11/2018

Was Jugendliche auf dem Neuhof von vielen anderen Jugendlichen unterscheidet ist bestimmt das Setting, in dem sie aufwachsen. Sie leben -zumindest unter der Woche- getrennt von ihren Eltern auf der Wohngruppe. Hier sind nicht konstant dieselben Eltern anwesend, sondern ein ganzes Team von Sozialpädagogen die aufgrund der Dienstabdeckung nur punktuell verfügbar sind. Auch einzelne Jugendliche kommen neu hinzu oder treten nach ihrem Aufenthalt wieder aus. Somit ist die Gruppe als solches ständig in der Veränderung. Das Ziel besteht nun darin, jedem einzelnen Jugendlichen ein Umfeld zu bieten, in dem er sich bestmöglich entfalten kann. Ohne ein Zuhause im traditionellen Sinn nachahmen zu wollen, sind Punkte wie Vertrauen, Orientierung, Privatsphäre, Fairness etc. zentral. Um die Jugendlichen in den Prozess der Gruppenstrukturen miteinzubeziehen, wurde dieses Wochenende geplant.

Jeder einzelne Jugendliche ist zwar auf die Gruppe angewiesen, jedoch auch Teil davon und somit ist auch die Gruppe auf ihn angewiesen. Mit Arbeitsblättern, Einzel- und Gruppensettings wurden die Erwartungen erarbeitet und nach Lösungen gesucht. Nebst strukturellen Punkten ging es auch um die Dynamik in der Gruppe. Wo sehen sich die Jugendlichen in der Gruppe positioniert? Wie können sie zu einem guten Klima beitragen? Wie können sie sich gegenseitig helfen?

Thematik dieses Wochenendes war somit einerseits auf «struktureller Ebene» sowie auf «gruppendynamischer Ebene». Zur Orientierung der Jugendlichen besprachen wir am Samstag den Ablauf für die beiden Tage und welche Ziele wir mit den Aufträgen verfolgen. Im Einzelsetting befassten sie sich schriftlich mit Punkten wie; «wie empfinde ich die Strukturen der WG2», «was würde ich anders machen» oder aber «was braucht es von meiner Seite aus, damit neue Vereinbarungen / neue Strukturen innerhalb der Wohngruppe umgesetzt werden können»? Im anschliessenden Plenum wurden die individuellen Vorschläge und Inputs via Flipchart festgehalten.

Des Weiteren stand das Thema «Gruppendynamik» ebenfalls im Vordergrund. Dort wurde der Schwerpunkt auf die persönliche Rolle- sowie dem Gruppenverständnis herauskristallisiert. Auch auf die persönlichen Eigenschaften jedes Einzelnen, welche den Gruppenprozess positiv beeinflussen, wurde näher eingegangen. Auch diese Punkte bearbeiteten sie selbstständig, woraufhin im Anschluss eine erste Auswertungsrunde im Einzelsetting durchgeführt wurde- bewusst einzeln, da sie sich nicht durch Meinungen und Haltungen anderer beeinflussen lassen sollen.

Zwischen den Sequenzen gestalteten wir die Pausen mit Tee trinken, dem Backen einer leckeren Wähe und Gesprächen.

Da das Wetter regnerisch und kalt war, verbrachten wir viel Zeit im Haus. Zum Ausgleich machten wir am Abend eine Fackelwanderung, vor welcher ihnen ein Papier ausgehändigt wurde, auf welchem sie negative Gedanken zum Ausdruck bringen konnten. Diese wurden vertraulich behandelt und wurden symbolisch auf der Wanderung mit der Fackel verbrannt. Bei Rückkehr liessen wir den Abend mit Gemeinschaftsspielen ausklingen, wer noch Lust dazu hatte.

Am Sonntag vor der Rückkehr wurde ebenfalls erneut eine Auswertungsrunde gestaltet, bei welcher der Fokus auf den Gewinn & Nutzen gelegt wurde. Was nehme ich aus diesem Wochenende mit? An welchen Punkten muss ich persönlich an mir arbeiten? Die Allgemeinheit gab zur Rückmeldung, dass allgemeingültige Strukturen einfacher umgesetzt werden können, wenn man als Gruppe den Zusammenhalt pflegt und sich gegebenenfalls gegenseitig unterstützen kann. Als Einzelkämpfer durch den Alltag zu gehen, erfordert oftmals vermehrt Schwierigkeiten, Anforderungen zu erfüllen. Auch eine Akzeptanz gegenüber vorgegebenen Strukturen und der Andersartigkeit der Jugendlichen der Wohngruppe soll gepflegt werden.

Auf dem Nachhauseweg hielten wir an einer Golf-Ranch an, wo wir zur Auflockerung ein paar Golfbälle abschlagen konnten.

Die Thematiken konnten mit einer Ernsthaftigkeit von Seiten der Jugendlichen erfüllt werden. Diese positive Erkenntnis wurde den Jugendlichen mit Lob kommuniziert.

Wohngruppe 2
Deborah Weber
Stefan Ryter

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